Konsolen-Reparatur: HDMI, Lüfter, Laufwerk — Aufträge richtig kalkulieren

Konsolen sind für eine Werkstatt ein dankbares Geschäft: Die Geräte sind teuer genug, dass sich eine Reparatur lohnt, die Besitzer hängen an ihnen, und die Fehlerbilder wiederholen sich. Gleichzeitig sind sie eine Falle für alle, die nach Gefühl kalkulieren. Eine HDMI-Buchse sieht aus wie eine Stunde Arbeit und wird zu drei, wenn die Pads darunter abgerissen sind. Ein „lauter Lüfter“ entpuppt sich als überhitzter Hauptchip. Unten steht, welche Aufträge typisch sind, wie man sie rechnet und was bei der Annahme auf den Auftrag gehört, damit es hinterher keinen Streit gibt.
Stand: Oktober 2026. Alle Preisspannen unten sind Beispielspannen zur Orientierung, keine Marktdaten — Ihr Preis folgt aus Ihrem eigenen Stundensatz. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.
Die Grundformel: Zeit, Teil, Risiko
Jede Konsolenreparatur lässt sich in drei Bausteine zerlegen, und wer sie getrennt denkt, kalkuliert ruhiger:
- Arbeitszeit — Zerlegen, eigentliche Arbeit, Zusammenbauen, Testlauf. Gerade der Testlauf wird gern vergessen: Eine Konsole nach einem Hitzeproblem gehört eine halbe Stunde unter Last, bevor sie das Haus verlässt.
- Teil — Einkaufspreis plus Aufschlag. Der Aufschlag bezahlt Beschaffung, Ausschuss und den Garantiefall, nicht das Teil selbst.
- Risiko — die Wahrscheinlichkeit, dass aus der geplanten Arbeit eine größere wird, und was Sie das kostet. Bei einer Lüfterreinigung fast null, bei Arbeiten am Hauptchip erheblich.
Die Arbeitszeit multiplizieren Sie mit Ihrem Stundensatz. Wie man den aus den eigenen Kosten herleitet, steht in Stundensatz, Diagnosepauschale, Teileaufschlag. Für alles, was sich wiederholt, wird daraus ein Festpreis — der Kunde an der Theke will eine Zahl hören, keinen Stundensatz.
HDMI-Buchse: der Klassiker mit Überraschungen
„Kein Bild“ ist bei aktuellen Konsolen einer der häufigsten Gründe für einen Werkstattbesuch, und oft steckt eine beschädigte HDMI-Buchse dahinter: Kabel im Betrieb herausgerissen, Konsole mit eingestecktem Kabel transportiert, verbogene Pins. Der Tausch selbst ist Routine für jemanden, der sauber mit Heißluft und Lötkolben umgehen kann.
Die Überraschung liegt unter der Buchse. Wurde schon einmal daran gearbeitet, sind Pads abgerissen oder Leiterbahnen beschädigt, wird aus der Routine eine Mikrolötarbeit mit Brücken. Und nicht jedes „kein Bild“ ist die Buchse: Bei manchen Geräten sitzt zwischen Buchse und Hauptchip ein eigener Baustein für die Bildausgabe, der mitbetroffen sein kann.
Deshalb: Festpreis für den einfachen Tausch, aber mit klarer Bedingung auf dem Auftrag — „gilt für Buchsentausch ohne Platinenschaden; bei beschädigten Pads oder weiteren Bauteilen melden wir uns vor der Weiterarbeit“. Als Orientierung liegen solche Aufträge oft im Bereich von etwa 70 bis 150 €, je nach Modell und Aufwand; mit Platinenschaden entsprechend darüber.
Überhitzung: Lüfter, Staub, Wärmeleitpaste
Laut, heiß, schaltet sich mitten im Spiel ab — das ist der zweite große Block. Meist ist es eine Mischung aus Staub im Kühlkörper, ausgetrockneter Wärmeleitpaste und einem Lüfter, der sein Lager hinter sich hat. Die Arbeit ist planbar: komplett zerlegen, reinigen, Wärmeleitmaterial erneuern, Lüfter prüfen oder tauschen, Lasttest.
Zwei Punkte für die Kalkulation:
- Wärmeleitmaterial ist nicht gleich Wärmeleitpaste. Einige aktuelle Geräte arbeiten am Hauptchip mit Flüssigmetall. Das zu erneuern dauert länger, braucht Sorgfalt und Erfahrung, und ein Fehler kann die Platine kosten. Das gehört in einen eigenen, höheren Preis — nicht in die normale „Reinigung“.
- Der Lüfter ist ein Teil, keine Arbeit. Reinigung als Festpreis, Lüftertausch als Zusatzposition mit Teil. So sieht der Kunde, wofür er zahlt, und Sie müssen nicht improvisieren, wenn das Lager erst nach dem Öffnen auffällt.
Eine reine Reinigung mit neuer Wärmeleitpaste liegt als Orientierung oft bei etwa 50 bis 100 €; mit Lüftertausch oder Flüssigmetall darüber. Wichtig für die Annahme: Wenn die Konsole schon länger überhitzt hat, kann der Hauptchip bereits gelitten haben. Das sagen Sie vorher, nicht hinterher.
Laufwerk: Mechanik und Zuordnung
Disc wird nicht eingezogen, nicht erkannt, nicht ausgeworfen: Laufwerksfehler sind meist mechanisch — Laser, Schlitten, Einzug, Riemen. Bei aktuellen Konsolen kommt eine Eigenheit dazu, die Sie vor dem Angebot kennen müssen: Bei vielen Geräten ist das Laufwerk an die Hauptplatine gekoppelt. Ein Laufwerk aus einem anderen Gerät funktioniert dann nicht einfach so; getauscht werden einzelne Teile, oder die Platine des Laufwerks muss bleiben.
Für die Kalkulation heißt das: Ein „Laufwerk tauschen“ gibt es oft nicht, sondern „Laser tauschen“, „Mechanik instand setzen“ oder „Laufwerk unter Weiterverwendung der Originalplatine“. Wer das nicht weiß, verspricht einen Preis, den er nicht halten kann. Spannen hängen stark vom Modell und vom verfügbaren Teil ab; ein Festpreis lohnt sich erst, wenn Sie das Modell oft genug gesehen haben.
Controller-Drift: kleine Aufträge, viele davon
Der Stick bewegt die Figur, obwohl niemand ihn berührt — Drift ist der häufigste Controllerfehler und meist ein verschlissenes Stickmodul. Der Tausch ist Lötarbeit an einer kleinen Platine: Modul aus, neues ein, Test. Für die Werkstatt ein typischer Kleinauftrag, der sich nur rechnet, wenn er schnell und gleich abläuft.
Deshalb gehört er in die Preisliste mit Festpreis — als Orientierung oft etwa 30 bis 60 € pro Stick — und mit klarer Teilefrage: Originalmodul, Nachbau oder ein verschleißärmeres Modul? Die Wahl beeinflusst Preis und Haltbarkeit, also sollte der Kunde sie treffen und sie auf dem Auftrag stehen. Ein Hinweis, der Diskussionen spart: Drift ist Verschleiß. Wer täglich spielt, kommt irgendwann wieder.
APU und BGA: nur mit Vorbehalt
Am oberen Ende stehen Arbeiten am Hauptchip oder an Speicherbausteinen: Reballing, Reflow, Chiptausch. Sie sind möglich, aber sie sind kein Festpreisgeschäft. Das Ergebnis hängt davon ab, wie lange das Gerät überhitzt war, ob Ersatzchips verfügbar sind und ob die Platine die Hitze ein weiteres Mal verträgt. Ein Teil dieser Aufträge geht schief, auch bei sauberer Arbeit.
So kalkulieren Sie das ehrlich:
- Diagnose vorab, bezahlt und vereinbart. Vorher klären, was die Fehlersuche kostet und ob sie bei Auftrag angerechnet wird — wie das geht, steht in Kostenvoranschlag in der Werkstatt.
- Risiko schriftlich. Auf den Auftrag gehört, dass der Eingriff misslingen und das Gerät danach schlechter dastehen kann, und was der Kunde dann zahlt.
- Preis mit Risikoaufschlag — die misslungenen Fälle müssen von den gelungenen mitgetragen werden. Feste Spannen nennen wir hier bewusst nicht: Das hängt zu sehr vom Gerät und Ihrer Erfolgsquote ab.
Und wer solche Arbeiten nicht sicher beherrscht, nimmt sie besser nicht an. Eine abgelehnte Reparatur kostet weniger als eine zerstörte Konsole.
Die Annahme: was auf den Auftrag gehört
Bei Konsolen entscheidet die Annahme mehr als bei vielen anderen Geräten, weil der Wert hoch ist und Kunden ihr Gerät genau kennen. Auf den Auftrag gehören:
- Seriennummer — sie macht das Gerät eindeutig und hilft, wenn es bei einer späteren Reklamation um die Frage geht, ob es dasselbe Gerät ist.
- Zustand — Kratzer, Sprünge, fehlende Schrauben, gebrochene Laschen, Spuren früherer Öffnung. Was nicht notiert ist, war nach Meinung des Kunden nicht da.
- Zubehör — Netzkabel, Controller, Standfuß, Datenträger im Laufwerk. Discs im Gerät gehen erstaunlich oft verloren.
- Konto und Daten — Passwörter brauchen Sie für die meisten Reparaturen nicht; fragen Sie nicht danach. Weisen Sie aber darauf hin, dass Speicherstände und Daten bei Arbeiten an Platine oder Speicher verloren gehen können und der Kunde selbst sichern sollte, soweit möglich. Diesen Hinweis festhalten.
- Fehlerbild in Kundenworten — „schaltet nach 20 Minuten ab“ ist eine andere Diagnose als „geht nicht an“.
- Preisgrenze oder Diagnosepauschale — bis zu welchem Betrag Sie ohne Rückfrage reparieren dürfen.
Gewährleistung einpreisen
Für Ihre Reparaturleistung haften Sie nach den gesetzlichen Regeln für Mängel; Einzelheiten und Fristen klären Sie im Zweifel mit Ihrer Beratung. Für die Kalkulation zählt etwas anderes: Jeder Garantiefall kostet Sie Arbeitszeit und oft ein zweites Teil. Ein günstiger Nachbau-Lüfter, der nach drei Monaten wieder schleift, macht aus einem guten Auftrag einen Verlust. Wählen Sie Teile auch danach aus, wie oft Sie sie zurücksehen wollen, und schreiben Sie klar auf den Auftrag, worauf sich Ihre Garantie bezieht: auf die getauschte Buchse — nicht auf den Laser, den Sie nie angefasst haben. Mehr dazu in Garantie auf Reparaturen: wie lange und wie Sie Streit vermeiden.
Wer schon Laptops repariert, kennt das Muster — dieselbe Logik für Scharniere, Lüfter und Tastaturen steht in Laptop-Reparatur: die häufigsten Aufträge kalkulieren.
Wie ServiceCenterSoft dabei hilft
Im Programm stehen auf dem Auftrag Seriennummer, Zubehör und Notizen zum Zustand. Die Kostenaufstellung besteht aus Zeilen: Arbeiten aus dem Leistungsverzeichnis mit Ihren Festpreisen, Teile aus dem Lager mit ihrem Einkaufspreis — so sieht der Kunde, was die Reparatur kostet, und Sie sehen, was sie Ihnen bringt. Das Lager führt ein Journal mit Beständen; ob noch HDMI-Buchsen oder Stickmodule da sind, steht dort, bevor Sie einen Termin versprechen. Die Kostenaufstellung lässt sich dem Kunden per E-Mail und/oder Telegram zur Freigabe schicken; seine Zustimmung oder Ablehnung steht dann mit Datum im Auftrag.
Zahlungen lassen sich in mehreren Schritten erfassen — etwa eine Anzahlung bei der Annahme und der Rest bei der Abholung —, der offene Betrag steht daneben. Ist die Konsole fertig, erfährt der Kunde es per E-Mail oder Telegram, und bei fertigen, nicht abgeholten Geräten zählt das Programm, wie viele Tage sie schon liegen. Wie das Programm für Computer- und Konsolenwerkstätten eingerichtet ist, steht auf der Seite Software für die Computerreparatur.
Kurz gesagt
- Jeden Auftrag in Arbeitszeit, Teil und Risiko zerlegen — der Testlauf gehört zur Arbeitszeit.
- HDMI-Buchse als Festpreis, aber nur „ohne Platinenschaden“; abgerissene Pads sind ein eigener Auftrag.
- Reinigung und Wärmeleitpaste getrennt vom Lüftertausch; Flüssigmetall ist eine eigene, teurere Position.
- Beim Laufwerk vorher klären, ob es an die Platine gekoppelt ist — „Laufwerk tauschen“ gibt es oft nicht.
- Controller-Drift ist ein Kleinauftrag mit Festpreis und klarer Teilewahl.
- APU und BGA nur mit bezahlter Diagnose, schriftlichem Risikohinweis und Risikoaufschlag.
- Bei der Annahme Seriennummer, Zustand, Zubehör, Datenhinweis und Preisgrenze festhalten — keine Passwörter abfragen.
- Garantiefälle einpreisen und auf dem Auftrag klar sagen, worauf sich die Garantie bezieht.
Neue Artikel per E-Mail
Praxisnahes für Werkstätten: Annahme, Ersatzteile, Geld, Kunden. Nur neue Artikel, ohne Werbung.
Wir senden eine Bestätigungs-E-Mail. Abmelden können Sie sich in jeder E-Mail. Wie wir Ihre Adresse speichern, steht in der Datenschutzerklärung.