SMD-Induktivitäten und Drosseln: Kennzeichnung 100, 4R7, R47
So liest man den Aufdruck auf SMD-Speicherdrosseln und Chip-Induktivitäten: drei Ziffern in µH, R als Komma, N für Nanohenry, Ferrite in Ohm. Unterschied zum Widerstand, Prüfung und warum die Induktivität allein für den Ersatz nicht reicht.

In der Reparatur begegnen Ihnen Induktivitäten in drei Formen: als Speicherdrossel im DC-DC-Wandler neben dem Spannungsregler, als winzige Chip-Spule im HF-Teil und als Ferrit in einer Versorgungsleitung. Gekennzeichnet sind sie mit drei Zeichen – oder gar nicht. Hier steht, wie man den Aufdruck liest und was man tut, wenn das Bauteil blank ist.
Welche SMD-Induktivitäten es gibt
Mehrlagen-Chip-Induktivitäten
Sie sehen aus wie ein Chip-Kondensator oder Chip-Widerstand – ein Quader mit metallischen Endkappen – und haben dieselben Bauformen: 0402, 0603, 0805, 1206. Werte reichen von wenigen Nanohenry bis zu einigen Mikrohenry. Meist tragen sie überhaupt keine Kennzeichnung: Manche Hersteller führen „ohne Aufdruck“ sogar als eigene Bestelloption, die kleinsten Bauformen bekommen höchstens einen Orientierungspunkt.
Drahtgewickelt auf Keramikkern
Gleiche Bauformen, aber mit echter Drahtwicklung. Sie sitzen wegen der hohen Güte im HF-Teil (WLAN, Bluetooth, Mobilfunk) und sind ebenfalls meist unbeschriftet.
Speicherdrosseln
Quadratische oder runde Bauteile ab etwa 2×2 mm bis 12×12 mm und größer: ungeschirmt (die Wicklung auf dem Ferritkern ist sichtbar), geschirmt (Wicklung in einer Ferrit- oder Magnethülle) und in Verbundmaterial vergossen. Genau diese tragen meist einen Wertcode auf der Oberseite.
Ferrite (Ferrite Beads)
Äußerlich ein Chip 0402–1206, aber kein Energiespeicher, sondern ein Störungsdämpfer. Im Datenblatt steht nicht die Induktivität, sondern die Impedanz in Ohm bei 100 MHz – bei Murata BLM18AG601 etwa 600 Ω. Für Gleichstrom ist ein Ferrit fast ein Kurzschluss.
Dreistelliger Code in Mikrohenry
Der Code funktioniert wie beim Widerstand, nur ist die Einheit Mikrohenry (µH): die ersten beiden Ziffern sind der Wert, die dritte die Anzahl der Nullen.
100 bedeutet also 10 µH, nicht 100.| Code | Rechnung | Induktivität |
|---|---|---|
100 | 10 × 1 | 10 µH |
330 | 33 × 1 | 33 µH |
470 | 47 × 1 | 47 µH |
101 | 10 × 10 | 100 µH |
221 | 22 × 10 | 220 µH |
102 | 10 × 100 | 1000 µH = 1 mH |
Der häufigste Lesefehler: 100 als „hundert“. Die letzte Null ist der Multiplikator – das Bauteil hat 10 µH, 470 entsprechend 47 µH.
R als Komma
Werte unter 10 µH werden mit R an Stelle des Kommas geschrieben: 4R7 = 4,7 µH, 2R2 = 2,2 µH, 1R0 = 1,0 µH. Steht das R vorne, ist der Wert kleiner als eins: R47 = 0,47 µH, R10 = 0,1 µH (100 nH).
4R7 = 4,7 µH, R47 = 0,47 µH.Widerstände verwenden dieselbe Schreibweise (4R7 = 4,7 Ω), der Aufdruck allein verrät also nicht, was das Bauteil ist. Entscheidend sind Gehäuse und Umgebung: Die Wandlerdrossel ist das große quadratische Bauteil neben dem Regler-IC und seinen Kondensatoren.
N für Nanohenry und Toleranzbuchstaben
Sehr kleine Werte stehen in Nanohenry mit N als Komma: 2N2 = 2,2 nH, 1N2 = 1,2 nH, 12N = 12 nH. Das finden Sie in der Teilenummer (TDK, Murata) – auf dem Rollenetikett, in der Stückliste, in Serviceunterlagen –, nicht auf dem winzigen Chip selbst.
Hinter dem Wert folgt in der Teilenummer meist ein Toleranzbuchstabe: M ±20 %, K ±10 %, J ±5 %. Bourns SRR1260-102K ist zum Beispiel 1000 µH ±10 %.
Induktivität oder Widerstand?
- Aufdruck. Widerstände ab 0603 sind fast immer beschriftet, Chip-Induktivitäten meistens nicht.
- Farbe. Der Widerstand hat eine schwarze oder dunkelblaue Oberseite auf weißer Keramik; die Mehrlagen-Induktivität ist rundum gleichfarbig, eher wie ein Kondensator.
- Widerstandswert. Eine Induktivität misst einige hundertstel Ohm bis wenige Ohm. Aber auch eine 0-Ω-Brücke (Aufdruck
0oder000) und ein Ferrit zeigen fast null. - Einbauort. In Reihe in einer Versorgungsleitung nahe Buchse oder IC – eher ein Ferrit; an der Antenne – eine HF-Chip-Spule.
Die Doppelgänger finden Sie unter Kennzeichnung von SMD-Widerständen und Kennzeichnung von SMD-Kondensatoren.
Wert finden, wenn nichts aufgedruckt ist
Ein blanker Chip oder eine abgeriebene Drossel ist keine Sackgasse. Zuerst Schaltplan und Boardview: In der Stückliste steht bei der Position (L12, FB3) die vollständige Teilenummer mit Wert und Strom. Fehlt der Schaltplan, hilft eine baugleiche Spenderplatine oder ein identischer Nachbarkanal auf derselben Platine – mehrphasige Wandler verwenden oft gleiche Drosseln. Bei Speicherdrosseln Kantenlänge und Höhe in Millimetern notieren; damit und mit dem Wert findet man im Herstellerkatalog einen Ersatz. Eine Chip-Induktivität wird ausgelötet und mit dem LCR-Messgerät gemessen – nach der Gehäusefarbe zu raten funktioniert nicht.
Drossel prüfen
Ohmmeter
Erkennt nur eine Unterbrechung. Eine intakte Speicherdrossel misst einige zehn Milliohm bis wenige Ohm (eine Würth-Drossel mit 10 µH etwa 0,045 Ω, eine Bourns mit 1000 µH bis 1,7 Ω). Unendlich bedeutet Wicklungsbruch. Einen Windungsschluss sieht das Ohmmeter nicht: Der Widerstand ändert sich kaum, die Induktivität bricht stark ein.
LCR-Messgerät
Bauteil auslöten und bei der Messfrequenz aus dem Datenblatt messen (bei Speicherdrosseln 1 kHz oder 100 kHz). Deutlich zu wenig Induktivität oder eingebrochene Güte deuten auf Windungsschluss. In der Schaltung verfälschen parallele Kondensatoren und ICs das Ergebnis.
Sichtprüfung
Riss im Ferrit, verfärbte Wicklung, abgeplatzte Ecke – tauschen, auch wenn das Ohmmeter Durchgang zeigt.
Sättigungsstrom: nie nur nach Induktivität ersetzen
Eine Speicherdrossel hat neben der Induktivität einen Sättigungsstrom (Isat) – den Strom, bei dem die Induktivität um einen festgelegten Prozentsatz gefallen ist – und einen Nennstrom nach Erwärmung. Die Hersteller definieren das unterschiedlich: Bourns mit 25 % Abfall, Würth gibt Isat bei 10 % und bei 30 % an. Eine kleinere 10-µH-Drossel geht im Schaltnetzteil in Sättigung, der Schalterstrom schießt hoch, MOSFET oder Controller sterben. Ersatz deshalb nach Induktivität, Sättigungsstrom, Baugröße und Schirmung – am besten nach der Teilenummer aus dem Datenblatt. Zum Schalttransistor selbst: Kennzeichnung von SMD-Transistoren.
Typische Fehler
100als 100 µH gelesen – es sind 10 µH.- Kleinere Drossel mit gleicher Induktivität eingesetzt – sie wird heiß und sättigt.
- Geschirmte gegen ungeschirmte getauscht, „weil der Wert gleich ist“ – der offene Kern koppelt in dichter Bestückung Störungen in Nachbarschaltungen ein.
- Ferrit durch eine Brücke ersetzt: Das Gerät läuft, der Filter fehlt.
- Chip-Induktivität mit einem Kondensator gleicher Bauform verwechselt – das Ohmmeter klärt es sofort, der Kondensator zeigt unendlich.
Kurz gesagt
- Drei Ziffern auf der Drossel sind µH:
100= 10 µH,101= 100 µH. Rist das Komma:4R7= 4,7 µH,R47= 0,47 µH.Nist das Komma in nH – in der Teilenummer, nicht auf dem Gehäuse.- Kleine Chip-Induktivitäten und Ferrite sind meist unbeschriftet; Ferrite werden in Ohm bei 100 MHz angegeben.
- Das Ohmmeter findet nur Unterbrechungen, Windungsschluss nur das LCR-Messgerät.
- Ersatz nach Induktivität, Sättigungsstrom, Baugröße und Schirmung.
In ServiceCenterSoft wird eine Drossel aus dem Lager als Zeile in den Kostenvoranschlag der Reparatur übernommen; das Lager läuft als Bewegungsjournal mit Beständen und Mindestbestand, sodass knapp werdende Teile sofort auffallen. Mehr dazu unter Ersatzteilverwaltung.
Was bedeutet 100 auf einer SMD-Drossel?
10 µH. Gelesen wird wie beim Widerstand, nur in Mikrohenry: „10“ ist der Wert, die letzte „0“ der Multiplikator 10⁰, es kommen also keine Nullen dazu. 101 sind 100 µH, 470 sind 47 µH.
Wie liest man 4R7 und R47 auf einer Induktivität?
Das R steht für das Komma, die Einheit ist Mikrohenry: 4R7 = 4,7 µH, R47 = 0,47 µH. Auf einem Widerstand bedeutet derselbe Aufdruck Ohm (4,7 Ω) – entscheidend ist das Gehäuse: Die Speicherdrossel ist das quadratische Bauteil neben dem Regler-IC.
Warum hat eine Chip-Induktivität keinen Aufdruck?
Kleine Mehrlagen- und drahtgewickelte Chip-Induktivitäten (0402, 0603) werden meist unbeschriftet gefertigt – es fehlt der Platz, der Wert steht nur in der Teilenummer auf der Rolle und in der Stückliste. Ermitteln lässt er sich mit einem LCR-Messgerät nach dem Auslöten oder aus Schaltplan und Serviceunterlagen.
Wie prüft man eine Drossel mit dem Multimeter?
Im Widerstandsbereich findet das Multimeter nur eine Unterbrechung: Eine intakte Wicklung misst einige zehn Milliohm bis wenige Ohm. Einen Windungsschluss sieht man so nicht – dafür braucht es ein LCR-Messgerät, die Drossel ausgelötet, und den Vergleich mit dem Nennwert. Ein Riss im Ferrit oder eine verfärbte Wicklung reicht als Tauschgrund.
Darf man eine Drossel durch eine mit gleicher Induktivität ersetzen?
Nur wenn auch Sättigungsstrom, Baugröße und Schirmung passen. Eine kleinere Drossel mit gleichem Mikrohenry-Wert geht im Schaltnetzteil in Sättigung, der Schalterstrom steigt sprunghaft – Transistor oder Controller fallen aus. Am sichersten ist die genaue Teilenummer aus dem Datenblatt.
Was unterscheidet einen Ferrit von einer Induktivität?
Ein Ferrit dämpft hochfrequente Störungen und wird in Ohm Impedanz bei 100 MHz angegeben, nicht in Mikrohenry – Murata BLM18KG471 etwa mit 470 Ω bei 100 MHz. Für Gleichstrom ist er fast ein Kurzschluss, das Ohmmeter zeigt nahezu null. Durch eine Brücke ersetzen sollte man ihn nicht, sonst fehlt die Filterung.
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