Kennzeichnung von SMD-ICs: Pin 1, Typcode und Datecode
Wie man Pin 1 eines SMD-ICs findet und in welche Richtung gezählt wird, was die Zeilen auf dem Gehäuse bedeuten — Logo, gekürzter Typcode, Datecode —, woran man umgelabelte Teile erkennt und wie man ein IC auf der Platine prüft.

Auf einem SMD-IC steht fast nie die vollständige Typenbezeichnung. Meist finden sich drei Dinge: das Herstellerlogo, ein gekürzter Typcode und ein Los- oder Datecode. Für den richtigen Ersatz muss man Pin 1 finden, Typcode und Datum auseinanderhalten und damit das Datenblatt aufspüren. Genau darum geht es hier.
Gängige Bauformen
Die Bauform verrät, wo die Anschlüsse liegen und wie eng:
- SOIC (SO) — Gull-Wing-Anschlüsse an zwei Längsseiten, Raster 1,27 mm. SOIC-8 ist die typische Bauform für OPs, Treiber und serielle EEPROMs.
- SOP, TSSOP, MSOP — ebenfalls zweiseitig, flacher und mit feinerem Raster (TSSOP und MSOP-8: 0,65 mm). Viele ICs gibt es als SOIC und TSSOP, die Pinbelegung ist nicht immer gleich — immer das Datenblatt der konkreten Bauform prüfen.
- QFP (LQFP, TQFP) — Anschlüsse an allen vier Seiten: Mikrocontroller, Schnittstellen- und Audio-ICs.
- QFN (DFN) — ohne Beinchen: Pads am Rand der Unterseite und ein großes Thermal-Pad in der Mitte. Es liegt oft auf Masse, aber nicht immer — maßgeblich ist das Datenblatt.
- BGA — Lotkugeln unter dem Gehäuse, ohne Auslöten nicht messbar.
Kleine ICs — Spannungsregler, Spannungsüberwachungen, Einzelgatter — stecken in SOT-23-5, SOT-23-6 oder SC-70. Darauf steht nur ein Code aus 2–4 Zeichen, den man wie bei Transistoren nachschlägt: siehe Kennzeichnung von SMD-Transistoren.
Pin 1 finden
Die Pin-1-Markierung kann sein:
- ein Punkt — runde Vertiefung oder Farbpunkt in der Ecke mit Pin 1;
- eine Kerbe — halbrund an einer Stirnseite; liegt sie links, ist Pin 1 unten links;
- eine Fase — abgeschrägte Kante an der Seite mit Pin 1 oder eine abgeschnittene Ecke bei quadratischen Gehäusen;
- ein Strich oder Dreieck an Pin 1 — häufig bei QFN und BGA.
Auf SOIC-Gehäusen sieht man oft mehrere runde Vertiefungen — das sind Spuren der Auswerferstifte aus dem Spritzwerkzeug. Die Markierung ist die, die einer Ecke am nächsten liegt. Im Zweifel Fase und Gehäusezeichnung im Datenblatt vergleichen.
Pins zählen
Bei SOIC, TSSOP, QFP und QFN gilt dieselbe Regel: IC von oben betrachten, bei Pin 1 beginnen und gegen den Uhrzeigersinn zählen. Beim SOIC-8 mit der Kerbe links laufen Pins 1–4 unten von links nach rechts, 5–8 oben von rechts nach links; Pin 8 liegt Pin 1 gegenüber.
Beim QFP ist Pin 1 meist der oberste Pin der linken Seite, am Punkt; manche Typen beginnen in der Seitenmitte, dann sitzt auch die Markierung dort. BGA-Kugeln haben Koordinaten: Zeilen als Buchstaben, Spalten als Zahlen, die Ecke A1 trägt Punkt, Dreieck oder abgeschnittene Ecke. Buchstaben, die Ziffern ähneln (I, O und einige andere), werden bei den Zeilen ausgelassen.
Von der Lötseite aus läuft die Zählung im Uhrzeigersinn. Daran scheitert man leicht, wenn man von unten misst oder eine Zeichnung „Ansicht von unten“ vor sich hat.
Was die Zeilen bedeuten
Typcode
Die vollständige Bestellnummer enthält Zusätze für Bauform, Temperaturbereich und Verpackung (Gurt, Stange). Davon landet das meiste nicht auf dem Gehäuse. Beispiel: Der SN74HC00 von TI im SOIC-14 wird als SN74HC00DR bestellt — D für SOIC, R für Rolle —, auf dem Gehäuse steht aber nur HC00. Andere Hersteller drucken dasselbe HC00 auf ihren 74HC00; unterscheiden kann man sie am Logo.
Auch der umgekehrte Fall kommt vor: Eine lange Nummer läuft in die nächste Zeile weiter, wie Microchip im Abschnitt „Package Marking Information“ seiner Datenblätter schreibt. In TI-Datenblättern zeigt die Spalte „Device Marking“ der Bestelltabelle, was auf jeder Variante steht; mehrere Einträge, getrennt durch „~“, bedeuten, dass einer davon auf dem Gehäuse steht.
Date- und Loscode
Am häufigsten ist YYWW — die letzten zwei Ziffern des Jahres und die Kalenderwoche. Eine einheitliche Regel gibt es aber nicht:
| Hersteller | Format | Bedeutung |
|---|---|---|
| Microchip | YYWWNNN oder YWWNNN | YY — letzte zwei Ziffern des Jahres (Y — letzte Ziffer), WW — Woche (die Woche mit dem 1. Januar ist 01), NNN — Rückverfolgungscode |
| STMicroelectronics | PYWW | P — Werk, Y — letzte Ziffer des Jahres, WW — Arbeitswoche |
| onsemi | AWLYWW | A — Montageort, WL — Wafer-Los, Y — Jahr, WW — Arbeitswoche |
| Texas Instruments (viele Gehäuse) | 7 Zeichen: Jahr, Monat, Los, Standort | Jahr — letzte Ziffer, Monat 1–9, A = Okt., B = Nov., C = Dez.; den Rest entschlüsselt nur TI |
Bei einstelliger Jahresangabe lässt sich das Jahrzehnt am Gehäuse nicht ablesen: 3 kann 2013 oder 2023 sein. Das genaue Schema steht im Datenblatt des jeweiligen ICs, im Abschnitt zur Kennzeichnung.
Datenblatt finden
- Hersteller am Logo erkennen.
- Die Zeile abschreiben, die nach Typcode aussieht, ohne Datecode. Zusätze für Bauform und Temperatur können fehlen.
- Bauform und Pinzahl dazunehmen:
HC00plus SOIC-14 grenzt schnell ein. - Auf der Herstellerseite suchen — TI hat eine Suche nach Kennzeichnung, Microchip einen Kennzeichnungsabschnitt in jedem Datenblatt.
- Bei SOT-23 und SC-70 mit 2–4 Zeichen hilft ein SMD-Codebuch, immer mit Gegenprobe im Datenblatt — derselbe Code bedeutet bei verschiedenen Herstellern verschiedene Teile.
Umgelabelte und gefälschte Teile
Hinweise, dass ein Gehäuse abgeschliffen und neu beschriftet wurde:
- matte, zerkratzte oder auffällig glänzende Oberfläche, Schleifspuren, zugeschmierter Pin-1-Punkt;
- unterschiedliche Schrift oder Drucktiefe bei ICs aus einer Lieferung;
- verwaschene, schiefe oder falsch platzierte Pin-1-Markierung im Vergleich zum Foto im Datenblatt;
- ein Datecode in der Zukunft, älter als das Bauteil selbst oder verdächtig frisch für ein abgekündigtes Teil;
- gleicher Date- und Loscode auf einer ganzen Handvoll Teile unklarer Herkunft.
Kein Merkmal allein beweist etwas. Am sichersten sind zuverlässige Lieferanten und der Vergleich mit einem IC aus einem funktionierenden Gerät.
Prüfen auf der Platine
Anders als einen Widerstand kann man ein IC mit dem Multimeter nicht „als Ganzes“ prüfen. Was hilft:
- Vergleich mit einer intakten Platine. Spannungsfrei, Kondensatoren entladen. Diodentest, eine Messspitze auf Masse, die andere nacheinander auf jeden Pin; Werte notieren und mit derselben Stelle einer funktionierenden Platine vergleichen. Ein abweichender Pin zeigt, wo man weitersucht.
- Versorgung. Unter Spannung die Versorgungspins gegen Masse messen und mit dem Datenblatt vergleichen.
- Wärme. Wird ein IC gleich nach dem Einschalten heiß, während die Nachbarn kalt bleiben, ist es oft durchgeschlagen. Nur dort anfassen, wo keine Netzspannung anliegt.
- Kurzschluss auf der Versorgung findet man über die Wärme, mit Labornetzteil und Strombegrenzung.
Typische Fehler
- Um 180° verdreht eingelötet. Pin 1 des neuen ICs nach der Markierung im Bestückungsdruck ausrichten, nicht danach, wie das alte lag.
- Datum als Typcode gelesen. Vier Ziffern wie
2347sind meist ein Datum. - Ähnliche Zusätze. Spannungsregler und Referenzen für verschiedene Spannungen unterscheiden sich in ein, zwei Buchstaben; verschiedene Bauformen eines ICs können eine andere Pinbelegung haben.
- Von unten gezählt. Von der Lötseite laufen die Pins im Uhrzeigersinn.
- O und 0, B und 8 — im winzigen Aufdruck bei der Suche leicht verwechselt.
Kurz gesagt
- Pin 1 liegt an Punkt, Kerbe, Fase oder Strich.
- Von oben gegen den Uhrzeigersinn zählen.
- Auf dem Gehäuse: Logo, gekürzter Typcode, Datecode.
YYWWist verbreitet, aber jeder Hersteller hat sein eigenes Schema — das Datenblatt entschlüsselt es.- Datenblatt über Logo, Code, Bauform und Pinzahl suchen.
- Weitere Seiten dieses Nachschlagewerks: Widerstände, Dioden, Transistoren.
In ServiceCenterSoft wird ein IC aus dem Lager als Zeile in den Kostenvoranschlag der Reparatur übernommen und vom Bestand abgebucht. Das Lager wird als Journal mit Beständen geführt; für gängige Teile lässt sich ein Mindestbestand festlegen, dann erscheinen sie im Filter „werden knapp“. Mehr dazu unter Ersatzteilverwaltung.
Wie finde ich Pin 1 bei einem SMD-IC?
Suchen Sie die Markierung: eine Vertiefung an einer Ecke, eine halbrunde Kerbe an der Stirnseite, eine abgeschrägte Kante an einer Längsseite oder einen Strich bzw. ein Dreieck bei QFN und BGA. Pin 1 liegt am Punkt; ist die Kerbe links, liegt Pin 1 unten links. Weitere runde Vertiefungen sind Spuren des Spritzwerkzeugs — die Markierung ist die an der Ecke.
In welche Richtung werden IC-Pins gezählt?
Gegen den Uhrzeigersinn, von oben auf die Beschriftung gesehen. Beim SOIC-8 mit der Kerbe links laufen Pins 1–4 unten von links nach rechts, 5–8 oben von rechts nach links. Von der Lötseite aus läuft die Zählung im Uhrzeigersinn.
Was bedeuten vier Ziffern wie 2347 auf einem IC?
Meist ist es ein Datecode im Format YYWW: 23 für 2023, 47 für Kalenderwoche 47. Jeder Hersteller hat aber sein eigenes Schema — manche nutzen eine einstellige Jahresangabe (YWW), ergänzen einen Werks- oder Loscode, TI verwendet Jahr und Monat als Zeichen (A = Okt., B = Nov., C = Dez.). Die genaue Bedeutung steht im Datenblatt im Abschnitt zur Kennzeichnung.
Warum steht auf dem IC eine andere Nummer als im Datenblatt?
Auf das Gehäuse kommt ein gekürzter Code: Zusätze für Bauform, Temperatur und Verpackung passen oft nicht drauf. Der SN74HC00DR von TI im SOIC-14 trägt zum Beispiel nur HC00. Was auf jeder Variante steht, zeigt die Bestelltabelle im Datenblatt (bei TI die Spalte Device Marking) oder der Abschnitt Package Marking.
Wie prüfe ich ein IC mit dem Multimeter, ohne es auszulöten?
Als Ganzes gar nicht, aber im Vergleich mit einer intakten Platine. Gerät spannungsfrei machen, Kondensatoren entladen, im Diodentest eine Spitze auf Masse, mit der anderen die Pins abgehen und die Werte mit derselben Stelle einer funktionierenden Platine vergleichen. Danach die Versorgungspins unter Spannung messen und auf Wärme achten: Wird ein IC sofort heiß, während die Nachbarn kalt bleiben, ist es oft durchgeschlagen.
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