SMD-Transistoren: Kennzeichnung und Codes bei SOT-23, SOT-223, SC-70 und SOT-89

Warum auf einem SOT-23 nur ein Kurzcode steht, wie man das Bauteil über Code und Bauform findet, warum Hersteller unterschiedliche Codes verwenden, Pinbelegung von SOT-23 und SOT-223, Prüfung mit dem Multimeter.

Auf einem SMD-Transistor steht nicht „BC847B“, sondern 1F, K1R oder SS. Bei Widerständen ist die Kennzeichnung genormt – 103 heißt bei jedem Hersteller 10 kΩ. Bei Transistoren und kleinen ICs vergibt dagegen jeder Hersteller seine eigenen Codes. Hier steht, was die Zeichen bedeuten, wie man vom Code zum Datenblatt kommt, welcher Pin welcher ist und wie man das Bauteil mit dem Multimeter prüft.

Die üblichen Bauformen

  • SC-70 (auch SOT-323): die kleinste der vier, etwa 2,0 × 1,25 mm, drei Anschlüsse.
  • SOT-23: die häufigste, etwa 2,9 × 1,3 mm, zwei Anschlüsse auf einer Seite, einer gegenüber. Varianten mit fünf und sechs Pins (SOT-23-5, SOT-23-6) enthalten meist ICs wie Spannungsregler oder OPs – siehe Kennzeichnung von SMD-ICs.
  • SOT-89: etwa 4,5 × 2,5 mm, drei Anschlüsse auf einer Seite, der mittlere breiter und mit der Fläche unter dem Gehäuse verbunden.
  • SOT-223: 6,5 × 3,5 mm, drei schmale Pins unten, oben ein breiter vierter Anschluss (Tab) zur Wärmeabfuhr.
Bauformen SC-70, SOT-23, SOT-89 und SOT-223 im gleichen Maßstab
Gleicher Maßstab (Balken = 2 mm): 1 – SC-70 (SOT-323), 2 – SOT-23, 3 – SOT-89, 4 – SOT-223.

Die Bauform allein verrät wenig: In einem SOT-23 kann ein bipolarer Transistor, ein MOSFET, eine Doppeldiode, eine Z-Diode oder eine Spannungsreferenz stecken. Dioden in diesen Gehäusen behandelt die Seite Kennzeichnung von SMD-Dioden.

Warum ein Code statt der Typbezeichnung

Auf einem SOT-23 ist Platz für drei, vier Zeichen – MMBT3904 hat acht. Deshalb druckt der Hersteller einen kurzen Bauteilcode auf, oft gefolgt von einem Datums- oder Werkszeichen.

SOT-23 von oben mit Code 1F, Datumszeichen M und Pins 1, 2, 3
SOT-23 von oben: 1 – Bauteilcode (1F ist BC847B bei onsemi), 2 – Datumszeichen. Pins: 1 unten links, 2 unten rechts, 3 einzeln gegenüber.

Was die Zusatzzeichen bedeuten, legt jedes Datenblatt selbst fest:

  • onsemi: XXMG – XX Bauteilcode, M Datumscode, G oder ein Mikropunkt für bleifrei. 1F mit einem Buchstaben dahinter ist also Code 1F plus Datum.
  • Diodes Incorporated: XXX und daneben YM – Jahr als Buchstabe, dann der Monat.
  • Philips (später NXP, heute Nexperia), Datenblatt BC847 von 2002: 1F*, wobei * das Werk angibt – p Hongkong, t Malaysia.

Erste Regel: Nicht jedes Zeichen gehört zum Code. Nach der ganzen Zeichenfolge und nach den ersten zwei Zeichen suchen.

Ein Transistor, verschiedene Codes

Eine gemeinsame Norm für diese Codes gibt es nicht. Dasselbe Bauteil trägt je nach Hersteller einen anderen Code – direkt aus den jeweiligen Datenblättern:

Codes 1F, 1Ft und K1R für BC847B sowie SS und K38 für BSS138
Oben BC847B: 1 – onsemi, 2 – Philips (Werk „t“), 3 – Diodes. Unten MOSFET BSS138: 4 – onsemi, 5 – Diodes.
BauteilTyponsemiDiodes Inc.Philips (2002)
BC847BNPN, 45 V, 100 mA1FK1R1F*
MMBT3904NPN, 40 V, 200 mA1AMK1N—
BSS138N-Kanal-MOSFET, 50 VSSK38—

Ein Strich heißt: nicht geprüft. Umgekehrt gibt es auch einen Code für mehrere Bauteile. Diodes kennzeichnet BC846B, BC847B und BC848B – Transistoren für 65, 45 und 30 V – alle mit K1R, die A-Typen mit K1Q. Bei onsemi steht 1F für BC847B im SOT-23 und für BC847BW im SC-70; unterscheiden lassen sie sich nur an der Größe.

Verstärkungsgruppen: 1E, 1F, 1G

Der Buchstabe A, B oder C hinter BC847 ist die hFE-Gruppe (Stromverstärkung), und der Code bildet sie ab:

BauteilhFE bei 2 mAonsemi, PhilipsDiodes
BC847A110–2201EK1Q
BC847B200–4501FK1R
BC847C420–8001GK1M

Vom Code zum Bauteil

  1. Alle Zeichen ablesen – mit Lupe oder Mikroskop – und notieren. Das letzte kann ein Datum sein.
  2. Bauform und Pinzahl bestimmen. Nachmessen: SC-70 und SOT-23 verwechselt man mit bloßem Auge leicht.
  3. Die Schaltung drumherum ansehen. Basiswiderstand und Last deuten auf einen Schalter, Kondensatoren an Ein- und Ausgang auf einen Regler, Bauteile direkt an einer Buchse oft auf Schutzdioden.
  4. Kandidaten suchen in einem SMD-Codebuch oder einer Online-Codedatenbank, nach Code und Bauform. Meist kommen mehrere Bauteile verschiedener Hersteller heraus.
  5. Das Datenblatt jedes Kandidaten öffnen und Kennzeichnungstabelle (Marking, Ordering Information) sowie Pinbelegung vergleichen.
  6. Durch Messung bestätigen. Liegt der Serviceschaltplan des Geräts vor, ist die Typangabe dort verlässlicher als jedes Codebuch.

Pinbelegung SOT-23

Die Nummerierung ist immer gleich: von oben gesehen, zwei Pins unten – links 1, rechts 2 –, der einzelne gegenüber ist 3. Die Funktion hängt vom Bauteil ab:

Variante123Geprüft in
Bipolar, am häufigstenBasisEmitterKollektoronsemi BC847, MMBT3904; Philips BC847
MOSFET, am häufigstenGateSourceDrainonsemi und Diodes BSS138
Anderer bipolarerEmitterBasisKollektoronsemi-Gehäusezeichnung SOT-23, STYLE 7
Anderer MOSFETDrainSourceGateonsemi-Gehäusezeichnung SOT-23, STYLE 10

Basis–Emitter–Kollektor ist die übliche Belegung, aber keine Regel: Allein die SOT-23-Gehäusezeichnung von onsemi listet mehr als zwanzig Varianten. Die Pinbelegung immer aus dem Datenblatt des konkreten Bauteils nehmen.

SOT-223 und SOT-89: der breite Anschluss

Der breite obere Anschluss des SOT-223 (Pin 4 oder TAB) leitet Wärme ins Kupfer. In allen geprüften Beispielen ist er mit dem mittleren Pin 2 verbunden – welche Funktion Pin 2 hat, ist aber verschieden.

SOT-223 von oben mit Code BH, Pins 1, 2, 3 und Tab 4 an Pin 2
SOT-223 von oben: 1 – Bauteilcode (BH ist BCP56 bei onsemi). Tab 4 ist mit Pin 2 verbunden.
Bauteil, Bauform1234 (TAB)
BCP56 (onsemi), SOT-223BasisKollektorEmitterKollektor
LM1117 (TI), NCP1117 (onsemi), SOT-223ADJ/GNDAusgangEingangAusgang
AZ1117C (Diodes), SOT-223, Variante HADJ/GNDAusgangEingangAusgang
AZ1117C (Diodes), SOT-223, Variante H2EingangADJ/GNDAusgangADJ/GND

Die letzten beiden Zeilen zeigen denselben Chip im selben Gehäuse mit unterschiedlicher Belegung. Der Tab ist also nicht unbedingt Masse – beim Spannungsregler oft der Ausgang –, und die Kupferfläche darunter kann Spannung führen.

Beim SOT-89 geht der mittlere Pin in die Fläche unter dem Gehäuse über. Auch den AZ1117C gibt es im SOT-89 in zwei Varianten: R mit 1 ADJ/GND, 2 Ausgang, 3 Eingang; R2 mit 1 ADJ/GND, 2 Eingang, 3 Ausgang.

Prüfen mit dem Multimeter

Im Diodentest zeigt das Multimeter die Durchlassspannung eines Übergangs.

Bipolarer Transistor

Beim NPN rote Messspitze an die Basis, schwarze an Emitter und dann Kollektor: je etwa 0,5–0,8 V, in Gegenrichtung offen. Kollektor–Emitter ist in beiden Richtungen offen. Beim PNP umgekehrt. So findet man Typ und Basis zugleich. Digitaltransistoren mit eingebauten Widerständen messen sich anders – das allein heißt nicht, dass sie defekt sind.

MOSFET

  • Das Gate hat keinen Durchgang zu Source oder Drain.
  • Zwischen Source und Drain liegt die Bodydiode: beim N-Kanal rot an Source, schwarz an Drain etwa 0,4–0,8 V, umgekehrt offen.
  • Einschalten: rot an Gate, schwarz an Source – das Gate lädt sich auf, Drain–Source zeigt jetzt fast Kurzschluss. Gate und Source mit der Pinzette verbinden, und er sperrt wieder. Das klappt, wenn die Prüfspannung des Multimeters über der Gate-Schwellspannung liegt; die BSS138-Datenblätter nennen 0,5–1,5 V.

Gates sind empfindlich gegen elektrostatische Entladung – Bauteil mit der Pinzette anfassen. Auf der Platine verfälschen parallele Bauteile die Messung; sicher ist nur die Messung nach dem Auslöten mit Heißluft.

Typische Fehler

  • Ersatz nach Code ohne Datenblatt. K1R steht bei Diodes für drei verschiedene Transistoren, und ein anderer Hersteller nutzt denselben Code womöglich für etwas ganz anderes.
  • Datum als Teil des Codes gelesen. onsemi kennzeichnet BC846A mit 1A und MMBT3904 mit 1AM, jeweils gefolgt von einem Datumsbuchstaben.
  • Pinbelegung vorausgesetzt. Basis–Emitter–Kollektor ist nicht garantiert; ein MOSFET im gleichen Gehäuse hat Gate–Source–Drain, und es gibt weitere Varianten.
  • Bauform geschätzt. SC-70 und SOT-23 mit gleichem Code unterscheiden sich in Größe und Verlustleistung.
  • SOT-223-Tab als Masse angenommen. Beim Regler ist er oft der Ausgang.
  • Falsche Verstärkungsgruppe. BC847A statt BC847C hat ein Mehrfaches weniger hFE.

Kurz gesagt

  • Codes auf SOT-23, SC-70, SOT-89 und SOT-223 sind nicht genormt; jeder Hersteller vergibt eigene.
  • Suche: Code + Bauform + Pinzahl, dann Abgleich im Datenblatt des Kandidaten.
  • Das letzte Zeichen ist oft Datum oder Werk.
  • Die SOT-23-Nummerierung ist fest (1 und 2 unten, 3 oben), die Funktion der Pins nicht.
  • In den geprüften Beispielen ist der SOT-223-Tab mit Pin 2 verbunden – das ist nicht unbedingt Masse.
  • Messung: bipolare Übergänge 0,5–0,8 V; beim MOSFET Bodydiode Drain–Source und Einschalten durch Laden des Gates.

Zum Vergleich die genormten Codes bei Widerständen: Kennzeichnung von SMD-Widerständen. In ServiceCenterSoft wird ein Teil aus dem Lager als Zeile in den Kostenvoranschlag der Reparatur übernommen; das Lager wird als Journal mit Beständen und Mindestbestand geführt, Positionen, die zur Neige gehen, zeigt ein eigener Filter. Mehr dazu unter Ersatzteilverwaltung.

Wie finde ich anhand des Codes heraus, welcher Transistor im SOT-23 steckt?

Alle Zeichen notieren, Bauform (SC-70, SOT-23, SOT-89, SOT-223) und Pinzahl bestimmen und dann in einer SMD-Codedatenbank nach Code und Bauform Kandidaten suchen. Für jeden Kandidaten das Datenblatt öffnen, Kennzeichnungstabelle und Pinbelegung vergleichen und mit dem Multimeter bestätigen. Das letzte Zeichen ist oft Datum oder Werk und gehört nicht zum Code.

Warum hat derselbe Transistor verschiedene Codes?

Für SMD-Transistorcodes gibt es keine Norm, jeder Hersteller vergibt eigene. BC847B heißt bei onsemi 1F, bei Diodes Incorporated K1R; der MOSFET BSS138 SS bzw. K38. Umgekehrt steht K1R bei Diodes für BC846B, BC847B und BC848B zugleich. Deshalb nie nur nach Code ohne Datenblatt ersetzen.

Wie ist die Pinbelegung beim SOT-23: wo sind Basis, Emitter und Kollektor?

Die Nummerierung ist fest: von oben gesehen zwei Pins unten – links 1, rechts 2 –, der einzelne gegenüber ist 3. Bei den meisten bipolaren Transistoren ist 1 Basis, 2 Emitter, 3 Kollektor, bei MOSFETs 1 Gate, 2 Source, 3 Drain. Das ist aber keine Regel – es gibt andere Belegungen, also immer das Datenblatt des konkreten Bauteils nehmen.

Womit ist der breite Tab beim SOT-223 verbunden?

In den geprüften Datenblättern ist der breite Pin 4 mit dem mittleren Pin 2 verbunden. Was Pin 2 ist, unterscheidet sich: beim Transistor BCP56 der Kollektor, bei den Reglern LM1117 und NCP1117 der Ausgang. Der Tab ist also nicht unbedingt Masse, und die Kupferfläche darunter kann Spannung führen.

Wie prüfe ich einen SMD-Transistor mit dem Multimeter?

Im Diodentest. Bipolar: Basis–Emitter und Basis–Kollektor zeigen in einer Richtung etwa 0,5–0,8 V, in der anderen offen; Kollektor–Emitter ist in beiden Richtungen offen. MOSFET: Das Gate hat zu nichts Durchgang, zwischen Source und Drain liegt die Bodydiode, und wird das Gate mit der Messspitze geladen, schaltet Drain–Source durch. Auf der Platine verfälschen Nachbarbauteile die Messung – sicher ist es nach dem Auslöten.