Wie Sie Techniker bezahlen: Festgehalt, Provision oder beides

Nataliia KravchenkoAutorin

Streit ums Gehalt dreht sich in einer Werkstatt selten um die Höhe. Meist geht es um die Regeln: Worauf wurde die Provision berechnet, warum zählt diese Reparatur nicht, wer bezahlt die Nachbesserung? Deshalb ist es sinnvoller, sich zuerst auf das Modell zu einigen und erst danach über Zahlen zu sprechen. Im Folgenden die drei häufigsten Modelle und die Fragen, die Sie vor der ersten Abrechnung klären sollten, nicht danach.

Drei Vergütungsmodelle

Festgehalt. Jeden Monat derselbe Betrag, unabhängig von der Zahl der Reparaturen. Klar und ruhig für den Techniker, planbar für den Inhaber. Der Nachteil liegt auf der Hand: Dem Techniker ist es gleich, ob er zwanzig oder vierzig Reparaturen gemacht hat. Ein Festgehalt passt dort, wo die Arbeitsmenge nicht vom Techniker abhängt — etwa im Garantieservice mit gleichmäßigem Auftragseingang.

Provision. Der Techniker bekommt einen Anteil an jeder Reparatur. Das gerechteste Modell für alle, die schnell und gut arbeiten, und das riskanteste in einem ruhigen Monat: keine Reparaturen, kein Geld. Provision motiviert, mehr Arbeit anzunehmen, verleitet aber auch dazu, sich die teuren Aufträge zu greifen und die günstigen liegen zu lassen.

Fixum plus Provision. Ein moderates Grundgehalt plus Anteil. Das Fixum trägt durch ruhige Monate, der Anteil motiviert. Die meisten Werkstätten mit zwei und mehr Technikern landen früher oder später genau hier.

Wichtig für Deutschland: Auch bei reiner Provision muss für die geleisteten Stunden mindestens der gesetzliche Mindestlohn herauskommen. Ein Fixum ist deshalb oft schon aus rechtlichen Gründen nötig — Details klären Sie mit Ihrem Steuerberater.

Worauf die Provision berechnet wird

Das ist die Kernfrage, und hier herrscht die größte Verwirrung. Es gibt drei Varianten:

  • Auf den gesamten Reparaturpreis, Teile inklusive. Am einfachsten zu rechnen, aber ungerecht: Der Tausch eines teuren Displays bringt dem Techniker mehr als eine knifflige Lötarbeit zum selben Arbeitspreis.
  • Nur auf den Arbeitslohn, ohne Teile. Gerechter, setzt aber voraus, dass Arbeit und Teile in jedem Auftrag getrennt erfasst sind.
  • Auf die Marge — Preis minus Einkaufspreis der Teile. Am genauesten, aber der Techniker hat keinen Einfluss auf die Einkaufspreise, und das wirft Fragen auf.

Ein Beispiel. Eine Reparatur kostet den Kunden 200 €, davon Teil 80 €, Arbeit 120 €. 40 % auf die Arbeit sind 48 €, 25 % auf den Gesamtpreis 50 €. Fast gleich — aber bei einer Reparatur mit einem Teil für 300 € liegen beide Varianten weit auseinander. Nehmen Sie deshalb vor der Entscheidung einige typische Aufträge des letzten Monats und rechnen Sie beide Wege durch.

Ab wann eine Reparatur als verdient gilt

Bei der Annahme kann eine Reparatur noch nicht zählen: Der Kunde kann es sich anders überlegen. Wenn der Techniker fertig ist — auch riskant: Der Kunde holt das Gerät vielleicht monatelang nicht ab. Die häufigste Regel lautet: Eine Reparatur zählt, wenn das Gerät ausgegeben und bezahlt ist. Dann läuft die Vergütung dem Geld in der Kasse nie voraus.

Schreiben Sie diese Regel auf, auch wenn Sie nur einen Techniker haben. Kommt der zweite dazu, brauchen Sie sie im ersten Monat.

Garantie und Nachbesserung

Herstellergarantie. Als autorisierter Service bezahlt der Hersteller die Reparatur — oft erst ein, zwei Monate später. Legen Sie vorher fest: Bekommt der Techniker seinen Anteil, wenn der Auftrag abgeschlossen ist, oder wenn der Hersteller gezahlt hat? Das Zweite ist fairer gegenüber der Kasse, das Erste gegenüber dem Techniker. Entscheidend ist eine Regel für alle.

Nachbesserung. Das Gerät kommt mit demselben Fehler zurück. Üblich ist: Die Nachbesserung ist für den Kunden kostenlos und wird dem Techniker, der die erste Reparatur gemacht hat, nicht vergütet. Manche Werkstätten teilen den Verlust. Beides ist besser als „je nach Fall“. Wie Sie Ihre Werkstattgarantie festlegen, steht in unserem Artikel zur Garantie auf Reparaturen.

Der Kunde lehnt ab. Nach der Diagnose sagt der Kunde nein. Ist die Diagnose kostenpflichtig, bekommt der Techniker einen Anteil daran wie an jeder Reparatur. Ist sie kostenlos, gibt es nichts zu verteilen — ein weiterer Grund, für die Diagnose Geld zu nehmen.

Annahme und Manager

Auch die Person an der Annahme beeinflusst den Umsatz: Von ihr hängt ab, ob der Kunde das Gerät dalässt und der Reparatur zustimmt. Deshalb bekommen Annahmekräfte oft einen kleinen Anteil an den angenommenen und bezahlten Reparaturen — getrennt vom Techniker, mit eigenem Satz. Nimmt eine Person sowohl an als auch repariert, sind zwei getrennte Sätze praktischer als ein Durchschnittswert.

Transparenz: Techniker sollten ihre Zahlen sehen

Die meisten Konflikte entstehen, weil ein Techniker den Betrag erst mit der Abrechnung erfährt und ihn nicht nachprüfen kann. Am besten vermeiden Sie das, indem der Techniker jederzeit sieht, welche seiner Reparaturen schon zählen und was das in Summe ergibt. Die Zahlen der Kollegen sieht er dabei nicht.

Gehen Sie einmal im Monat vor der Abrechnung kurz mit jedem Techniker seine Liste durch: welche Reparaturen gezählt wurden, welche in den nächsten Monat rutschen und warum. Zehn Minuten Gespräch räumen Fragen aus, die sich sonst über Monate aufstauen und in einer Kündigung enden.

Beispiel: ein Monat mit Fixum plus Provision

Eine gedachte Werkstatt mit Beispielzahlen — nur um zu zeigen, wie gerechnet wird. Der Techniker bekommt ein Fixum von 1.800 € brutto und 30 % auf den Arbeitslohn der ausgegebenen und bezahlten Reparaturen.

WasBetrag
Im Monat ausgegebene und bezahlte Reparaturen42
Gesamtpreis dieser Reparaturen7.100 €
Davon Teile2.700 €
Arbeitslohn4.400 €
30 % auf den Arbeitslohn1.320 €
Fixum1.800 €
Gesamt brutto3.120 €

Zwei Reparaturen, die der Techniker am 30. fertig hatte, die Kunden aber erst im Folgemonat abgeholt haben, sind hier nicht enthalten — sie kommen in die nächste Abrechnung. Sagen Sie das dem Techniker vorher, sonst sieht der erste solche Fall aus wie „zu wenig gerechnet“.

Vom Festgehalt zur Provision, ohne Techniker zu verlieren

Einem erfahrenen Techniker das Vergütungsmodell zu ändern ist ein Risiko: Selbst eine bessere Regelung wirkt wie der Versuch, weniger zu zahlen. Einige Regeln, die helfen:

  • Erst mit vergangenen Monaten rechnen. Nehmen Sie die letzten drei Monate und zeigen Sie dem Techniker, was er nach dem neuen Modell bekommen hätte. Kommt weniger heraus, ist das Modell nicht fertig.
  • Übergangszeit. Zwei, drei Monate bekommt der Techniker den höheren der beiden Beträge: nach altem oder neuem Modell. Das nimmt die Angst und gibt Zeit, sich daran zu gewöhnen.
  • Eine Änderung nach der anderen. Ändern Sie nicht gleichzeitig Modell, Berechnungsgrundlage und Garantieregeln — sonst weiß niemand, was den Betrag eigentlich verändert hat.

Eine Änderung der Vergütung ist eine Vertragsänderung und braucht die Zustimmung des Mitarbeiters — auch das spricht für ein gemeinsames Durchrechnen statt einer Ansage.

Abzüge und Strafen

Ein bei der Reparatur beschädigtes Gerät, ein verlorenes Teil, eine Reklamation wegen schlechter Arbeit — das kommt in jeder Werkstatt irgendwann vor. Abzüge vom Lohn sind in Deutschland nur sehr eingeschränkt zulässig, und Arbeitnehmer haften bei der Arbeit nur begrenzt. Bevor Sie so etwas in einen Vertrag schreiben, fragen Sie Steuerberater oder Arbeitsrechtler. In der Praxis wirkt eine Regel besser als eine Strafe: Die Nachbesserung im Rahmen der Werkstattgarantie macht derselbe Techniker, ohne zusätzliche Vergütung. Das ist fair und erspart Streit um Beträge.

Wann zahlen

In Deutschland ist die monatliche Abrechnung üblich. Die Provision kommt am einfachsten mit der Abrechnung für den Monat, sobald feststeht, welche Reparaturen ausgegeben und bezahlt wurden — oft also mit einem Monat Versatz. Wichtig ist ein fester Termin: „wenn die Kasse abgeschlossen ist“ als Zahltag sorgt für die Hälfte des Ärgers.

Sind Reparaturen langwierig — große Geräte, bestellte Teile —, landet ein Teil der Arbeit eines Monats erst in der nächsten Abrechnung. Das ist normal; sagen Sie es einem neuen Techniker am ersten Tag.

Wie ServiceCenterSoft das rechnet

In ServiceCenterSoft hat jeder Mitarbeiter einen Satz — einen als Techniker und einen als Manager, falls er beides macht. Der Technikerbericht zeigt für jeden Zeitraum, wie viele Reparaturen jeder ausgegeben hat, zu welchem Betrag und wie hoch sein Anteil ist. Der Anteil des Technikers wird auf das berechnet, was er gemacht hat: den Grundpreis der Reparatur und die Positionen, die er ausgeführt hat; bei einem Teil vom Lager zählt nur der Aufschlag, nicht der volle Preis. Der Anteil des Managers ergibt sich aus den bezahlten Aufträgen, die er betreut hat. In den Bericht kommen nur ausgegebene und vollständig bezahlte Reparaturen — die Vergütung läuft der Kasse also nicht voraus.

Ein Klick auf den Techniker öffnet die Aufschlüsselung: Auftrag, Position, Betrag, Einkaufspreis, was angerechnet wurde und wie viel gutgeschrieben ist. Den Streit „warum so wenig“ beendet eine Tabelle, nicht das Gedächtnis. Auszahlungen werden auf einem eigenen Reiter erfasst: wie viel im Zeitraum gutgeschrieben, wie viel ausgezahlt wurde und was noch offen ist.

Ein Techniker ohne das Recht, alle zu sehen, sieht im Bericht nur sich selbst. Ausprobieren können Sie es in der Demo.

Kurz gesagt

  • Erst die Regeln, dann die Zahlen: Modell, Berechnungsgrundlage, Zeitpunkt der Anrechnung.
  • Fixum plus Provision passt meist beiden Seiten — und hilft beim Mindestlohn.
  • Es zählt die ausgegebene und bezahlte Reparatur, nicht die angenommene.
  • Garantie, Nachbesserung und Ablehnungen — eine Regel für alle, vorher aufgeschrieben.
  • Der Techniker sieht jederzeit seine Zahlen, aber nicht die der Kollegen.
  • Vertrag, Lohnsteuer, Sozialabgaben und Abzüge sind Sache des Steuerberaters, nicht eines Artikels.